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Erklärungsansätze

Ursachen – einige Forschungsergebnisse

Die exakten Ursachen sind zwar noch nicht restlos geklärt, man versteht die Legasthenie heute aber als ursächlich komplexe Störung:
Es kann nach dem aktuellen Stand der Forschung davon ausgegangen werden, dass verschiedene Faktoren für das Auftreten einer Legasthenie verantwortlich sind. Mit großer Sicherheit sind dies einerseits genetische Einflüsse und andererseits verschiedene Defizite im Bereich der Sprachwahrnehmung und –verarbeitung im Gehirn. Diese neurobiologischen Ursachen werden aber wesentlich von Umweltfaktoren (der Schule, der Familie) beeinflusst.

Das zentrale Problem von LegasthenikerInnen:
Defizite in der Sprachwahrnehmung und Sprachverarbeitung

Aus pädagogisch-psychologischer Sicht sind insbesondere die Befunde zu den Bereichen der Sprachwahrnehmung und -verarbeitung bedeutungsvoll, da eben diese Bereiche für das Erlernen des Lesens und Schreibens hohe Relevanz besitzen. In der wissenschaftlichen LRS – Forschung zeigt sich immer wieder, dass LegasthenikerInnen Schwächen in folgenden Bereichen aufweisen:

Verbales Kurzzeitgedächtnis

Menschen mit Legasthenie haben oftmals besondere Schwierigkeiten mit dem Behalten lautsprachlicher Einheiten im Arbeitsspeicher.

Bsp. Pseudowörter nachsprechen wie "holume – inake – masipe"…

Phonologische Bewusstheit

Lese-rechtschreibschwachen Kindern fehlt ein intuitives Wissen um den Aufbau der Sprache. Es fällt ihnen schwer, Wörter in Silben zu zerlegen, Reime zu erkennen oder Regelhaftigkeiten bei der Verschriftlichung der Wörter automatisch und unbewusst zu erfassen.

Bsp. "Was reimt sich auf Feld? Geld oder Gold?"
Benenne die Laute von "kimblu"
Welches Wort hörst du, wenn du den ersten Laut weglässt?

"Schnelles Benennen" (rapid naming)

Mit diesem Begriff ist der Zugriff auf das so genannte phonologische Gedächtnis gemeint, also der schnelle Abruf von lautlichen Entsprechungen zu Objekten oder Buchstaben. Bilder mit 4 Gegenständen werden in sich ständig ändernder Abfolge gezeigt und das Kind soll so schnell wie möglich die Gegenstände benennen.

Bsp. aus dem „Bielefelder Screening“:

Spezifische Gedächtnisschwäche für schriftsprachliches Material

SchülerInnen mit Legasthenie haben besondere Schwierigkeiten, Wörter bzw. Buchstaben abzuspeichern.  Das Abspeichern von rein graphischen Mustern bereitet allerdings keine Probleme.

Bsp. Drei Pseudowörter merken und wiedererkennen ist für LegasthenikerInnen ein Problem, beim Merken und Wiedergeben von 3 graphischen Mustern (z.B. Anordnung von Punkten), also einer rein visuellen Aufgabe, sind LegasthenikerInnen gleich gut wie ihre KlassenkollegInnen.

Bedeutung von Umweltfaktoren


Die Bedeutung der Schule

Die Schule als ein zentraler Lebensraum von schulpflichtigen Kindern sollte bei der Diskussion um LRS nicht vernachlässigt werden. Schulvergleichende Untersuchungen geben Hinweise auf die Bedeutung des Faktors Schule für die Häufigkeit der Legasthenie, wobei besonders die Lehrerpersönlichkeit und die Art der Unterrichtung zu tragen kommen.

Bsp. Lehrperson: Gerade LRS – Kinder brauchen die positive affektive Unterstützung  durch die Lehrkraft, da sie ohnehin im Klassenverband schnell eine Außenseiterposition beziehen müssen.

Bsp. Unterrichtsmethode: Die „Ganzwortmethode“ als Unterrichtsmethode des Erstleseunterrichts gilt heute als nicht mehr zielführend. Kinder erlangen nach dem sog. „synthetischen Ansatz“ größere Schreib- und Lesesicherheit, da hier in systematischer Weise den Kindern die Buchstaben-Laut-Zuordnung als Grundlage vermittelt wird.

Die Bedeutung der Familie

Der Umgang der Eltern mit den Lese-/Rechtschreibproblemen ihres Kindes hat einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Störung.
Eltern sind die wichtigste emotionale Stütze des Kindes. Die zentrale Aufgabe der Eltern ist es, für ihr Kind da zu sein und ihrem Kind Stärken und Fähigkeiten bewusst zu machen, wenn dieses nicht mehr an sich glaubt. Eltern sollen ihr Schulkind nicht nur über die Leistung definieren.

Bsp. Kein Fernsehverbot als Bestrafung für schlechte Diktatnoten!

In aller Kürze:

LRS ist eine ursächlich komplexe Störung. Legasthene Menschen zeigen Defizite in der Wahrnehmung und Verarbeitung von lautsprachlichem Material. Auch Umweltfaktoren spielen eine nicht vernachlässigbare Rolle.

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