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Qualitätskriterien
  • Eine ausführliche Diagnostik, welche das mathematische Denken des Kindes erfasst sowie wie ein darauf basierender, individuell erstellter Förderplan sind Voraussetzungen für die therapeutische Arbeit.
  • Die Förderung besteht nicht aus der Bearbeitung des aktuellen Schulstoffs, der Schwerpunkt liegt vielmehr darin, nicht zielführende mathematische Denkmuster aufzubrechen und mathematische Grundlagen sowie Einsichten in Lösungsprozesse zu vermitteln.
  • Die Dauer einer Förderung ist vom Einzelfall abhängig. Es kann durchschnittlich von ein bis zwei Jahren ausgegangen werden. Je früher die Problematik erkannt und je eher mit therapeutischen Maßnahmen begonnen wird, desto größer ist die Chance, die Rechenschwierigkeiten zu überwinden.
  • Die Förderung sollte zumindest einmal wöchentlich angeboten werden. Regelmäßige, vom Therapeuten/ der Therapeutin empfohlene Übungen zwischen den Fördereinheiten begünstigen den Therapieverlauf maßgeblich.

Anschließend finden Sie weitere detaillierte Ausführungen zu Qualitätskriterien in der Dyskalkulietherapie:


Qualität in der Therapie von Rechenschwäche erfordert adäquate Rahmenbedingungen:

  • Fachkompetenz der therapieanbietenden Person:
    Diese ist durch einen pädagogischen oder psychologischen Grundberuf, zusätzliche dyskalkuliespezifische Aus- bzw. Fortbildungen, berufliche Erfahrung, soziale Kompetenz und durch deren eigenen Zugang zur Mathematik (u.a. Verständnis, entsprechend gute und flexible Grundfertigkeiten, emotionaler und kreativer Zugang) zu begründen.
  • Ebenso erforderlich sind regelmäßige Weiterbildung, interkollegiale und interdisziplinäre Kooperation, positive Einbindung der Eltern sowie das Bemühen um eine konstruktive Zusammenarbeit mit der KlassenlehrerIn des Kindes.
  • Transparenz bezüglich Kosten und vertraglicher Bindung, Terminfrequenz, der Ziele und Zwischenziele, wie diese erreicht werden sollen sowie Abschätzbarkeit der Therapiedauer.
  • Die Therapie einer Rechenschwäche erfordert eine Einzelbetreuung. Ausnahmen bilden jene Therapieeinheiten, an denen auch Eltern oder andere Bezugspersonen teilnehmen, etwa um ihnen präzise Förderinstruktionen zu vermitteln und sie mit deren Ausführung vertraut zu machen.

Neben den angeführten Rahmenbedingungen erachten wir besonders auch die Erfüllung inhaltlicher Kriterien ausschlaggebend für die Qualität eines therapeutischen Angebots:

  • Qualitative Diagnostik
    Für die Therapieplanung ist es unerlässlich, die individuellen kindlichen Vorstellungen, deren Umsetzung, die Denkwege, das Lösungsverhalten und somit die mathematischen Stärken und Schwächen zu erheben. Auffälligkeiten, wie etwa ein erhöhter Zeitbedarf, müssen nicht immer durch Defizite bedingt sein. Oft genug verbergen sich dahinter mathematisch kompetente - wenn offensichtlich auch zeitaufwändige - Strategien. Auch massive Ausgangsschwierigkeiten verweisen lediglich auf den aktuellen Entwicklungsstand der Rechenfertigkeiten eines Kindes, eines/r Jugendlichen bzw. Erwachsenen. Ein direkter Rückschluss auf eine Beeinträchtigung der mathematischen Grundanlagen ist nicht von vornherein zulässig.
  • Emotionstheoretisches Wissen über Rechnen und Gefühle
    Bei vielen betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben sich starke neuronale Assoziationen zwischen mathematischen Aufgaben und intensiven negativen Emotionen, teilweise sogar physiologischen Stresssymptomen, gebildet. Bereits der Anblick eines Rechenblattes kann somit einen Zustand "eingeschränkter Rechentüchtigkeit" herbeiführen. Die therapeutische Aufgabe besteht u.a. darin, dem Kind sukzessive eine erfolgreiche Bearbeitung von "klassischen Rechenaufgaben" zu ermöglichen, denn nur die Erfahrung von Selbstkompetenz kann dabei helfen, Ängste wieder abzubauen.
  • Therapeutische Kernelemente
    Handeln, Einsicht, Verinnerlichung, Automatisieren
    vorsichtiges Zusehen, zögerliches Angreifen, Mengen von Marienkäfern und Glassteinen erforschen, Hochhäuser aus Hunderter-Platten, "nur einmal" eine Rechnung oder das Auflegen des Materials ausprobieren, Erkennen, Einsicht, wiederholtes Nachprüfen, experimentieren, Fehler machen, Vorstellungen entwickeln, Alltagsbezüge herstellen, schlussfolgern, nachdenken und auf einmal wissen, wie es geht. Darauf aufbauend kann dann die Automatisierung von Faktenwissen und Rechenprozeduren erfolgen.
  • Das Material und die Arbeit damit
    soll Strukturen und Analogien vermitteln, begreifbar, besprechbar und versteckbar sein, manchmal auch angewachsen wie etwa die Finger und während der Automatisierungsphase schrittweise zurückgenommen werden können.
  • Die Verbalisierung - Versprachlichung - von Denkschritten
    ermöglicht der Therapeutin Einblick in ihre Richtigkeit und Ökonomie, fördert beim Kind, der Jugendlichen, dem Erwachsenen die bewusste Wahrnehmung der eigenen Gedankenprozesse und bestärkt zugleich das Vertrauen in deren Richtigkeit. In der Anwendungsphase lässt sich Versprachlichung für eine kontrollierte Verkürzung nutzen, sodass schlussendlich ein möglichst hoher Automatisierungsgrad auch komplexer Operationen erreicht werden kann..
  • Kleinschrittigkeit, Differenziertheit, Transferarbeit, Analogien
    Erst wenn die Einzelkomponenten einer Aufgabe treffsicher und automatisiert beherrscht werden, ist es sinnvoll, diese auch kombiniert einzuüben. Innerhalb eines Aufgabentyps (wie etwa Zehnerüber-/-unterschreitungen) kann die Schwierigkeit der Items z.B. durch die Auswahl geeigneter numerischer Distanzen zwischen Zehnern und Einern variiert werden. Die Übertragung auf größere Zahlenräume oder komplexere Strukturen erfolgt meist nicht automatisch und ist in diesen Fällen zusätzlich zu erarbeiten.
  • Entmathematisierung
    ist überall dort sinnvoll, wo es scheint, ein Kind verstünde einen bestimmten Sachverhalt einfach nicht. Die Aufgabe wird in eine andere mit gleicher kognitiver Struktur, jedoch ohne mathematischen Bezug verpackt. Das Kind, die Jugendliche (und die TherapeutIn) können so die positive Erfahrung machen, dass die logischen Anforderungen der ursprünglichen Aufgabe auf jeden Fall bewältigbar sind und mit dieser Erkenntnis erneut an die ursprüngliche, mathematische Aufgabe herangehen.
  • Erste Fortschritte
    sind teilweise schon nach einigen Wochen zu beobachten, auch wenn die therapeutische Arbeit noch nichts mit den aktuellen schulischen Anforderungen zu tun hat. Die Kinder und Jugendlichen fassen beim Rechnen wieder Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, werden selbstständiger und erledigen ihre Hausübungen oft deutlich schneller als zuvor.

Autorin: Claudia Wieser

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